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Geschichte Tansanias im Zeitraffer

"Die Welt ist gleichzeitig verbunden durch technisches Wissen und getrennt durch die Unkenntnis voneinander. Menschen sind auf dem Mond gelandet, und unser Planet erschien ihnen als kleiner Ball im umbegrenzten Raum.
Dennoch verhalten wir uns auf der Erde allzuoft so, als stünde unser Leben in keiner Beziehung zu demjenigen anderer Menschen, die jenseits eines Gebirges oder einer Wüste leben oder von denen wir durch Meere getrennt sind."

Julius Nyerere
(1962 - 1985 Staatspräsident Tansanias)



Zur Geschichte Tansanias
Tansania gehört nach der Statistik der Weltbank zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Der ostafrikanische Staat ist mit einer Fläche von fast einer Million km2 etwa 25 Mal so gross wie die Schweiz und weist eine gegenwärtigen Gesamtbevölkerung von 30 Millionen Menschen auf.

Nach einer knapp hundertjährigen Phase europäischer Kolonialherrschaft (1885 - 1918 gehörte Tansania zu Deutsch-Ostafrika, nach der Niederlage des Deutschen Kaiserreiches im Ersten Weltkrieg gelangte es in den Besitz des Britischen Empires) erlangte das Land am 9. Dezember 1961 seine völkerrechtliche Unabhängigkeit Die grün-schwarz-goldene Flagge (grün steht für das Land, schwarz für die Bevölkerung, Gold für die Ressourcen) symbolisierte die neu gewonnene Freiheit, durch den Anschluss der Inseln Zanzibar und Pemba (bis 1963 britische Protektorate) wurde der Fahne ein blaues Band (als Symbol für das Meer) hinzugefügt und die Vereinigte Republik Tansania gegründet.

Der wegen seiner Bescheidenheit und absoluten Integrität äusserst populäre Nyerere hatte die schwierige und langwierige Aufgabe zu bewältigen, die langjährige europäische Kolonie in eine tatsächliche politische und auch wirtschaftliche Unabhängigkeit zu führen.

Abgesehen von den Jahren, in denen die Sisalproduktion der Wirtschaft einen Aufschwung beschert hatte, blieb Tansania der "arme Verwandte" anderer ostafrikanischen Staaten, Schule und Ausbildung waren praktisch inexistent. Dagegen erwies sich die ethnische Vielfalt Tansanias (die Bevölkerung setzt sich aus etwa 120 verschiedenen Stämmen zusammen) in politischer Hinsicht als kein gravierendes Problem, da über 90% der Völker dem Bantu-Sprachkreis zuzuordnen sind. Die gemeinsame Sprache - das Kiswahili-, die nach der Unabhängigkeit gezielt verbreitet wurde und sich dadurch als National- und Verwaltungssprache etablieren konnte, wirkte als einigendes Band.

Im Vergleich etwa zu Uganda oder Kenya konnte Nyerere zweifelsohne Erfolge verbuchen: Die Grundversorgung der Bevölkerung mit sauberem Wasser, Schulen und Krankenhäusern konnte gesichert werden, alle sind gleich arm, die Gegensätze zwischen Stadt und Land konnten ausgeglichen werden, Stammeskonflikte blieben in diesem riesigen Land mit über 100 verschiedenen Ethnien weitgehend aus. Dass man in Tansania auch heute noch von einem Nationalgefühl ohne Stammesprobleme sprechen kann, ist hauptsächlich das Verdienst von Nyerere, des "Lehrers der Nation".

Als einer der Wortführer der Dritten Welt forderte er eine neue Weltwirtschaftsordnung, welche die Bedürfnisse der Entwicklungsländer stärker berücksichtigte. Das Konzept seiner Politik fand über die Grenzen Tansanias hinaus weite Beachtung, blieb jedoch innenpolitisch umstritten, da ihm letztlich kein wirtschaftlicher Erfolg beschieden war. Die Ursachen dafür sind mannigfaltig:
Nyerere konnte auch mit seinem persönlichen Vorbild die Entstehung einer unfähigen Staatsbürokratie und faulen Funktionärskaste nicht verhindern. Die Vorstellung, der Abhängigkeit vom Weltmarkt und von den Industrienationen (so verständlich das Anliegen an sich auch ist) entrinnen zu können, erwies sich als Irrglauben; mangelnde Eigenverantwortung in der sozialistischen Produktionsweise, die Durchsetzung des Genossenschaftswesens gegen den Willen von teilweise noch zu individualistisch und privatwirtschaftlich orientierten Bauern erwies sich als kontraproduktiv. Dank guter natürlicher Rahmenbedingungen konnten einige der neuangelegten Ujamaa-Dörfer durchaus Erträge abwerfen, andere wurden auf trockenen Böden gegründet und mussten bald aufgegeben werden. Das eine Mal begrüssten landlose Bauern die staatliche Initiative, bei nomadischen Viehzüchtersämmen wie den Massai stiess sie auf Widerstand.





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